AEQUANET Extra
Ausstellung Klaus Busch "Innere Gärten", Ortenberg, November 2007
Der Hausarzt und Psychotherapeut Klaus Busch aus Ortenberg hat seine jüngsten Arbeiten unter dem Titel "Innere Gärten" im Rentamt des Ortenberger Schlosses ausgestellt. Irritation, Beunruhigung, Verstörung bewirken die Bilder.
Es handelt sich um großformatige Kohlezeichnungen auf Papier, die nicht fixiert und darum sehr verletzlich, ja vergänglich sind; zum anderen sind es knallbunte Eitemperamalereien, ebenfalls auf Papier, zum Teil wandgroß. Immer wieder kehren organische Formen, Organe, Gliedmaßen, religiöse Symbole und banale Gegenstände aus der Alltagswelt wieder. Fragmentierung, scheinbar planlose Zusammenstellung, Beschädigung bis zur Zerstörung, Übermalung, sind künstlerische Mittel, Verletzung auszudrücken. Die Wahl überwiegend "armer" Materialien (Papier, Papierabfälle, billige Farben aus dem Baumarkt, das Malmittel Eitempera, Fetzen alter Veranstaltungsplakate usw.) verstärken die Gewissheit, dass die äußeren Dinge nicht von Dauer sind. Dagegen setzt der Künstler, auf den ersten Blick kaum sichtbar, die Heilkräfte des künstlerischen Prozesses: statt Fragmentierung Integration und Ganzheit, statt Oberfläche eine tiefgehende spirituelle Dimension. So ist z.B. die Kohle, auf der Papieroberfläche von ständigem Abrieb bedroht, aus lebendiger Materie unter Einwirkung von Feuer und Luft und Erde entstanden. Und ist nicht das Mal- und Bindemittel Ei Symbol des werdenden Lebens schlechthin?
Kunst hat nicht fertige Antworten auf Fragen, sondern muss neue Fragen aufwerfen. Die Bedeutung einer künstlerischen Arbeit, ihre Interpretation, liefert nicht der Künstler. Allein der Betrachter, der sich einlässt, Kunst "aushält", kann sich ihr nähern. Die entscheidende Deutung, Bedeutung, kann und muss der Betrachter geben. Indem das äußere Bild auf ein Inbild trifft, entsteht Resonanz. In diesem Sinne können die Bilder von Klaus Busch auch Votivbilder sein, wie sie sich in alten Kirchen und Kapellen finden, die Menschen in ihrer Not aufgesucht haben: sei es, um ihr Leiden abzubilden, zu externalisieren, sei es, um Dank vor der Rettung aus der Not auszudrücken.
Insofern kann die Beschäftigung mit Kunst heilsam sein.
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